Jugendschutz

Hier weden rechtliche Fragen diskutiert. Haftung, Lizenzen, Jugendschutz usw.

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Jugendschutz

Postby MZ per X » 13 Feb 2011, 08:15

So, unser erstes rechtliches Thema soll der Jugendschutz sein. Lasst uns hier diskutieren, wie wir als deutschstämmiges, aber doch international-mehrsprachiges Projekt damit umgehen wollen.
Last edited by MZ per X on 13 Feb 2011, 08:37, edited 1 time in total.
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 13 Feb 2011, 08:36

Ich persönlich bin grundsätzlich dafür, den deutschen Jugendschutz schon in der Konzeptionsphase zu "umarmen" und sinnvoll einzubauen, und zwar aus verschiedenen Gründen:

1) Einige (viele) von uns haben Kinder und sehen jeden Tag, wie wichtig der Jugendschutz eigentlich ist, weil soviel Müll auf die Kleinen/Größeren einregnet. Das ist eine Verantwortung, der wir uns auch in unseren Freizeitprojekten stellen sollten.

2) MobyGames verbannt nackte Brüste und Sex von ihrer Startseite, weil es sonst Probleme mit den Anzeigenkunden gibt, aber letztlich frei zugänglich sind die Inhalte doch. Und um Gewalt schert sich das Projekt als US-Seite naturgemäß überhaupt nicht. Ich bevorzuge eine klare Linie in solchen Dingen. Wie wird das eigentlich bei TL gehandhabt?

3) Es gibt ja offensichtlich Möglichkeiten, den deutschen Jugendschutz auch als deutsches Projekt komplett zu umgehen (siehe Schnittberichte.com). Aber erstens habe ich Zweifel, dass wir später als gemeinnütziger, deutscher Verein diese Möglichkeiten haben, und zweitens will ich das auch nicht, siehe oben.

4) Eine gute, konstruktive Verbindung zur USK kann einmal Gold wert sein. Wenn wir von vornherein mit dieser Institution zusammenarbeiten, bekommen wir vielleicht mal Zugang zu deren Archiven oder was auch immer.
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 13 Feb 2011, 09:02

Gestern war hier zufällig der offizielle Familien-Spieletag der Stadt Leipzig im Neuen Rathaus. Ich war mit meinen beiden Jungs zum ersten Mal dort und habe erfreut gesehen, dass es auch eine kleine, aber feine Medienwelt gab. Dort war auch ein Jugendschutz-Stand der Stadt Leipzig und ich habe mich mal angeregt mit dem Herrn dort über unser Projekt unterhalten. Seine Meinung ist die folgende:

1) Wir müssen selbstverständlich eine Altersverifikation einbauen, zB durch PostIdent.

2) Alle Inhalte, die nicht alters-verifizierte Nutzer sehen können, dürfen höchstens USK12 sein.

3) Angaben auf unserer Seite, die Kinder und Jugendliche nicht gefährden (wie zB der Name eines Spiels, eine objektive und zurückhaltende Spielbeschreibung, Veröffentlichungsdaten oder sogar Screenshots mit "einer grünen Wiese") dürfen auch bei Spielen mit höheren Freigaben für anonyme Nutzer sichtbar sein. Wie das bei beschlagnahmten Spielen aussieht, weiß ich nicht, aber im Zweifel wird es nicht so einfach sein.

4) Wir können unser Projekt durch die USK prüfen lassen, bekommen dann aber im Zweifel auch eine Plakette für unser gesamtes Angebot.

Wenn wir also unseren nicht verifizierten Nutzern so viele Daten wie möglich zeigen wollen, kommen wir um ein eigenes Jugendschutzsystem nicht herum, mit dem wir jeden Screenshot, jedes Cover und auch alte Spiele ohne USK-Prüfung ggf. verstecken oder abweichend von der USK-Freigabe selbst freigeben können.

Wollen wir eigentlich perspektivisch mal so einen Jugendschutz-Experten hierher einladen? Der Mann dort war zB sehr interessiert.
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Re: Jugendschutz

Postby gene » 13 Feb 2011, 09:21

MZ per X wrote:Wollen wir eigentlich perspektivisch mal so einen Jugendschutz-Experten hierher einladen? Der Mann dort war zB sehr interessiert.

Schick ihm unsere Ausschreibung zu und er soll sich bewerben, wenn er Interesse hat.
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 13 Feb 2011, 13:59

gene wrote:Schick ihm unsere Ausschreibung zu und er soll sich bewerben, wenn er Interesse hat. Gleiches Recht für alle 8)

Mach' ich doch glatt. :)
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Re: Jugendschutz

Postby Brody » 16 Feb 2011, 20:57

Hierzu möchte ich gerne meinen Senf geben:

Im Gegensatz zu Jens bin ich absolut nicht dafür, den deutschen Jugendschutz zu umarmen, da das ein international gedachtes Projekt zum erliegen bringen wird.
Schon dem Großteil der deutschen User (also die normalen Besucher unserer Seite) wird es zu doof sein, sich mit dem PostIdent-Verfahren zu befassen bloß um Zugriff zu bekommen.
Die internationalen User werden so eine Seite einfach ignorieren, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen.

Der deutsche Jugendschutz im Umgang mit neuen Medien ist meiner Meinung nach eine Farce.
Rein nationale Regelungen wie der deutsche Jugendschutz spielen im Internet keine Rolle und können leicht umgangen werden sobald der Server mit selbem Inhalt im Ausland steht.

Zum Thema Verantwortung:
Was auf unsere Kinder einprasselt wenn es um das Thema Videospiele geht, liegt in der Verantwortung der Eltern und ist meiner Meinung nach allerspätestens im Teenageralter sowieso nicht zu kontrollieren, da dort oft bei Freunden konsumiert wird und die sich die Spiele allein schon wegen Geldmangel aus dem Internet oder über andere Freunde beziehen (und dann natürlich nur die unzensierten Versionen von gewalthaltigen Spielen). Umso wichtiger ist es daher, den Umgang mit diesem Medium (und auch anderen) vorher mit dem Kind geübt zu haben und Werte zu übermitteln, damit es erkennen kann was Schund ist und was nicht - aber das ist ein Thema das hier nicht hin gehört.
Wir haben vor, ein junges Medium möglichst vollständig zu dokumentieren und machen keine Werbung geschweige denn eine Wertung von gewalthaltigen Spielen.
Auch die deutsche Version der IMDB (deren Vergleich mit unserem Projekt ja durchaus angebracht ist, es geht dort eben um ein anderes Medium) verschweigt keine gewalthaltigen oder bei uns indizierten Filme und erfordert keine Altersverifikation bevor man z.B. deren Filmplakate betrachten kann.
Ich weiss dass die deutsche OGDB ebenfalls auch vor indizierten oder sogar beschlagnahmten Spielen (z.B. Dead Rising) keinen Halt macht. Ich bin mir leider nicht sicher ob sie damit wirklich Unrecht begehen oder ob die neutrale Erwähnung in einer Datenbank (oder in einem wissenschaftlich aufgebauten Dokumentationsprojekt wie unserem) nicht völlig in Ordnung geht. Da sollten wir uns schlau machen.
Ganz üble Screenshots oder sogar Trailer gehen gar nicht, das ist klar.
Solange Videospiele in Deutschland nicht mal als Kulturgut anerkannt sind, kann es sogar Probleme geben wenn auch nur ein einzelnes Hakenkreuz auf einem Cover zu einem Strategiespiel mit historischem Hintergrund zu sehen ist (von so Spielen wie Wolfenstein ganz zu schweigen).
Als Erwachsener (!) muss man sich die unzensierten Spiele im Ausland besorgen, der Jugendliche zieht sie sich wie gesagt aus dem Internet (gerade Kinder die zu Hause unbeaufsichtigt gewalthaltige Spiele spielen können oder dürfen haben meist auch vollen Zugriff auf das Internet).

Daher bin ich dafür, den Server gleich ins Ausland zu verlegen, außer wir können die rechtlichen Standpunkte vorher sicher bestimmen und ohne Kompromisse unsere Datenbank pflegen (und bezüglich der rechtlichen Standpunkte würde ich lieber einen Rechtsanwalt befragen als einen weltfremden Jugendschützer wie den, mit dem Jens gesprochen hat).
Ich denke auch nicht, dass unsere Webseite so etwas wie eine USK-Kennzeichnung nötig hat.

Ich bin mal gespannt ob ich mit meiner Meinung alleine dastehe :)

Gruß, Markus
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Re: Jugendschutz

Postby Hawkmeister » 18 Feb 2011, 01:52

Okay, die Meinungen hier sind geteilt. Wie stehe ich dazu? ich selbst als Erwachsener möchte mir ungern vorschreiben lassen, welche Inhalte ich sehen darf und welche nicht. Dass ich meinen kleinen Sohn keine blutigen Bilder oder dergleichen sehen lassen möchte ist aber ebenso klar. Aber wie vorgehen? Auch ich denke, dass wir mit einem Altersverifikationsprozess Unmengen an potentiellen Usern vergraulen werden. Ich selbst bin ein digitaler Mensch und in der Materie drin, aber sogar mir sind diese Verfahren einfach zu lästig. Und ausländische User kümmert das so gar nicht. Den Server alleine ins Ausland zu verlagern würde aber auch nicht reichen. Wenn im Impressum eine deutsche Anschrift hinterlegt ist, gilt da auch deutsches Recht... Dann können schnell Abmahnungen oder dergleichen ins Haus flattern. Auch wenn wir eventuell den Bonus einer wissenschaftlichen Datenbank bekommen könnten... rechtliche Streitereien können trotzdem entstehen.

Mmh, irgendwie komme ich auch gerade zu keiner Lösung... :(
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 01 Mar 2011, 11:11

Hawkmeister wrote:Wenn im Impressum eine deutsche Anschrift hinterlegt ist, gilt da auch deutsches Recht... Dann können schnell Abmahnungen oder dergleichen ins Haus flattern. Auch wenn wir eventuell den Bonus einer wissenschaftlichen Datenbank bekommen könnten... rechtliche Streitereien können trotzdem entstehen.

Das ist der entscheidende Punkt. Unsere Datenbank soll von einem deutschen, gemeinnützigen Verein betrieben werden, da können wir nicht einfach den deutschen Jugendschutz ignorieren oder gar umgehen. Ich kann Brodys Meinung sehr gut nachvollziehen, aber so wird es meiner Meinung nach nicht funktionieren bzw. es wird sogar gefährlich, wenn wir dann deswegen eventuell die Gemeinnützigkeit verlieren.

Ich stelle mir das ganze zur Zeit so vor, dass wir zur Not das deutsche Jugendschutzrecht mit einem guten Anwalt gerichtlich weiterentwickeln müssen, indem wir dieses vorauseilende Gehorsam der deutschen Presse brechen und durchsetzen, dass ein objektiver, dokumentarischer Datenbankeintrag für ein indiziertes Spiel nicht jugendgefährdend ist.

Auf der anderen Seite möchte ich natürlich im Sinne der Vollständigkeit auch die "üblen Screenshots und Trailer" in die Datenbank aufnehmen. Das wird aber ohne jeden Zweifel eine Altersverifikation erfordern. Und mal ganz ehrlich: Wer unsere Datenbank nicht nutzen will, weil er sich für die üblen Screenshots verifizieren muss, den brauchen wir doch auch nicht wirklich, oder?
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Re: Jugendschutz

Postby jojoschi » 01 Mar 2011, 12:06

Hallo zusammen,

also von solchen Dingen wie PostIdent-Verfahren wäre ich wenig begeistert. Ich stelle mir gerade vor, wie ich als User Infos zu einem Spiel suche. Dann soll ich mich auf irgendeiner Seite (die ich villeicht gerade erst via Google gefunden habe) für das PostIdent-Verfahren anmelden, um mir dann nach aufwendigem Gang zur Post eine Woche später ein paar Screenshots anschauen zu können. Ich würde es nicht machen sondern mir die Infos woanders suchen.

Jugendschutz ist sicher wichtig, aber wie das in Deutschland gehandhabt wird eher an der Realität vorbei. Wir hatten damals auch schon in Pre-Internet-Zeiten die Möglichkeit (über große Brüder etc.) an Filme zu kommen, die erst "ab 16" oder "ab 18" waren. Inzwischen ist das alles noch einfacher, daran wird auch der deutsche Jugendschutz nichts ändern. Wenn unsere Datenbank nur per PostIdent zugänglich ist, greifen jüngere eben auf ausländische Seiten zurück. Ein regionales Jugendschutz-Gesetz macht in einem globalen Medium wie dem Internet eben einfach keinen Sinn. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es auch nicht gut, wenn 10-jährige SAW gucken, aber die Mittel die zur Verhinderung in Deutschland eingesetzt werden, sind absolut unzureichend und sinnlos. "Medienkompetenz" wäre das Stichwort.
Das hier ist aber eigentlich nicht der Platz sowas zu diskutieren, denn letztendlich müssen wir uns natürlich auch an bestehende Gesetze halten.

Meiner Meinung nach gibt es verschiedene Möglichkeiten:
1.) Keine Aufnahme von Inhalten "ab 18"/indizierten Titeln
--> keine Option, da wir die Spielewelt möglichst umfassend abbilden wollen

2.) Server-Standort im Ausland
--> u.U. Gemeinnützigkeit gefährdet --> Vereine müssen natürlich nicht zwangsläufig gemeinnützig sein

3.) "Sendezeiten"
--> (ja, das gibts tatsächlich. Ist zwar absolut sinnlos, da ich mir Videos zu "ab 18" Titeln den ganzen Tag auf gamespot angucken kann, aber so ist Deutschland eben...)
--> auch nervig, aber wahrscheinlich am einfachsten umzusetzen
--> siehe z.B. bei GamersGlobal.de und Bsp. "Dead Space 2" http://www.gamersglobal.de/test/dead-space-2
--> dort auf das erste Video klicken --> das Video kann man nur zwischen 23 und 6 Uhr angucken
--> der Rest des Tests ist ganz normal lesbar, dabei könnte man so einem Test wahrscheinlich eher noch eine "Werbewirkung" unterstellen, als einem Eintrag in einer Spieledatenbank, schließlich
steht ja zum Schluss auch eine Wertung und eine Empfehlung der Redaktion

--> Darum geht es letztendlich: Ist der Eintrag von "Wuff3D" in unserer Datenbank eine Werbung für das Spiel und kann dieser Eintrag Jugendliche negativ in ihrer Entwicklung beeinflussen?

Sehr interessant zum Thema "Jugendmedienschutz-Staatsvertrag" ist auch folgender Blog-Eintrag:
http://www.lawblog.de/index.php/archive ... en-konnen/

Viele Grüße,
Jojo
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Re: Jugendschutz

Postby Hawkmeister » 01 Mar 2011, 13:03

Hallo zusammen,


MZ per X wrote:Wer unsere Datenbank nicht nutzen will, weil er sich für die üblen Screenshots verifizieren muss, den brauchen wir doch auch nicht wirklich, oder?


Im Prinzip gebe ich Dir Recht. Aus der Praxis heraus sieht das aber nicht so einfach aus, wie ich oft in den letzten Jahren schmerzlich erleben musste. "Der User" ist ein manchmal recht unberechenbares Wesen. Selbst wenn er selber großen Nutzen für sich ziehen kann, ist er im Internet oft nicht bereit auch nur wenige Informationen von sich preiszugeben. Dann den Aufwand auf sich zu nehmen, sich z.B. dem PostIdent-Verfahren zu stellen... dafür ist die nächste ähnliche Seite ohne solche Hürden nur einen Klick entfernt. Und was macht in dem Fall ein User aus z.B. Canada?

Den ein oder anderen User, der das nicht möchte, auf den könne wir verzichten. Aber hier - gerade bei einer so allumfassenden Plattform, die wir schaffen möchten - ist schnell die kritische Masse erreicht. Und ohne genügend User ist a) der Stellenwert / das Image der Plattform nicht so hoch wie er / es sein könnte und damit einhergehend b) finden sich weniger User, die auch als Helfer aktiv zum Datenbestand beitragen werden.

Mit den Firmen, mit denen ich gearbeitet habe, wurde das dann immer etwas laxer gehandhabt, also zum Vorteil des Users. Es sollten einfach möglichst wenige Barrieren dem User in den Weg gestellt werden. Rechtlich war das immer etwas undefinierter. Das Credo war meist: "Soll uns doch erst mal einer abmahnen." Das kannst Du natürlich nur dann machen, wenn Du ne größere Rechtsabteilung im Rücken hast. Für uns also sicher (noch?) kein Thema.


jojoschi wrote:1.) Keine Aufnahme von Inhalten "ab 18"/indizierten Titeln


Wie Du schon sagtest: indiskutabel. Das wäre eine zu regionale Datenbank, da der Titel dann ja nur in DE indiziert wäre.


jojoschi wrote:2.) Server-Standort im Ausland


Wohl die sicherere Variante - aber dann auch nur mit einem Verein, der im Ausland gegründet werden würde. Sonst verstricken wir uns relativ schnell in rechtliche Probleme.


jojoschi wrote:3.) "Sendezeiten"


Kann ich nachvollziehen, halte ich aber aufgrund der Natur des Internets für ein armseliges (aber meist einzig mögliches) Mittel, sich dem Jugendschutz zu beugen. Persönlich denke ich, dann sind die Kiddies halt später am Computer. Die wenigsten Eltern haben das wirklich im Griff. Und dann hätten wir eine Datenbank, die zu Recherche-Zwecken nicht zu gebrauchen ist, da sich der Datenbestand an Uhrzeiten der MEZ entscheidet. Zudem bekommst Du damit das Problem mit indizierten (oder gar beschlagnahmten - gibt es das bei uns überhaupt im Spielebereich schon?) überhaupt nicht in den Griff.


Welches Fazit schließe ich daraus? Solange Server und/oder Institution (Verein) sich in Deutschland befinden, müssen wir uns dem Jugendschutz beugen. Welches Mittel wir wählen ist nahezu egal. Jede Zugangsbeschränkung bringt größere Nachteile mit sich. Vergleichbar ist es ein wenig mit dem Fall Wikileaks: Die haben sich auch aus rechtlichen Gründen (Pressefreiheit) ein Land mit den günstigsten Bedingungen herausgesucht, in deren Fall war das anfangs Schweden. Aber welche Nachteile würdet ihr sehen, würden wir Server/Verein ins Ausland verlegen?
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 01 Mar 2011, 14:13

Hawkmeister wrote:Aber welche Nachteile würdet ihr sehen, würden wir Server/Verein ins Ausland verlegen?

Der Hauptnachteil wäre in der Finanzierung, dass wir unser liebstes Hobby eben nicht mehr von der Steuer absetzen können. Für mich persönlich ist das schon ein K.O.-Kriterium, da ich die Finanzierung als wichtiger ansehe als vielleicht ein paar User, die wieder abspringen. Außerdem bringt ein gemeinnütziger Verein einen ganz anderen Status mit sich, wir können gegenüber Behörden, Universitäten, USK oder Deutscher Nationalbibliothek auf einem anderen Level spielen. Das ist in meinen Augen auch ein Vorteil, den man nicht leichtfertig aus der Hand geben sollte. Und es gibt noch andere Vorteile. Ansonsten wird das ganze Handling sicher nicht einfacher, da wir uns zusätzlich zu unseren eigenen Problemen noch mit dem Rechtssystem eines anderen Landes auseinandersetzen müssen.

Ich möchte aber nochmal meine obige Meinung klarstellen:

Solange wir von USK-18-Spielen nur Screenshots mit Story-/ Landschaftsbildern oder normale, unblutige Kampfszenen zeigen, dürfte es eigentlich keine Probleme geben, das hat mir auch der Jugendschutz-Herr so gesagt, mit dem ich gesprochen hatte. Das einzige, was mit Altersverifizierung belegt sein müsste, sind einzelne Screenshots, die eben blutige Gewalt oder Pornographie zeigen. Der User würde also auch ohne Alterscheck Informationen und Bilder zu diesen Spielen bei uns finden, nur eben nicht alles. Und bei pornographischen Inhalten helfen uns auch keine Sendezeiten.

Und vielleicht sollten wir uns auch nicht so sehr am PostIdent-Verfahren festklammern. Es gibt auch moderne Altersverifikations-Systeme im Internet, die man darauf checken müsste, ob sie mit dem deutschen Jugendschutz konform sind.
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Re: Jugendschutz

Postby Hawkmeister » 01 Mar 2011, 14:55

Jens, ich gebe Dir Recht, wenn es um einzelne Screenshots geht, sollte das sicher kein Problem sein. Über das "wie" muss man noch diskutieren. Auch die "moderneren" Varianten sind eine Hemmschwelle. Nur weil es "weniger schwierig" anstatt "sehr schwierig" ist, ist es trotzdem eine Hürde, die viele User nicht gewillt sind zu überwinden. Und so arrogant sollten wir nicht (gleich zu Anfang) sein, User zu verprellen. Da würde ich lieber auf eine Altersverifizierung verzichten und solche Screenshots nicht zulassen.

Ganz wichtig wäre aber die Situation mit der Darstellung indizierter oder gar beschlagnahmter Spiele zu klären. Hier können wir uns rechtlich sonst schnell aufs Glatteis bewegen. Denn da hilft uns auch eine Alterskontrolle nichts. (Der Titel "Silent Hill - Homecoming" wurde z.B. in der UK-Version Ende letzten Jahres beschlagnahmt.) Wie ist das juristisch geregelt - ab wann gilt eine dokumentarische Erfassung bereits als werblich? Wenn es an der Existenz von Screenshots auszumachen wäre, dürften diese eben bei indizierten/beschlagnahmten Titeln nicht möglich sein. Aber wer würde das kontrollieren? Die Verfahren zur Indizierung/Beschlagnamung können durchaus Monate nach VÖ erst ablaufen. Dann müssten wir sehr schnell reagieren um unnötigen Ärger zu vermeiden...

Der Status, den ein Verein mit sich bringt, ist ein Argument, das wichtig ist. Sehe ich genauso. Schließlich wollen wir mit dem Projekt ernst genommen werden und damit verbunden auch Zugang zu Ressourcen bekommen über die wir sonst nicht verfügen könnten. Das mit der Finanzierung müsstest Du als Fachmann mir noch einmal näher bringen. Was für Möglichkeiten gibt es, hier Ausgaben abzusetzen? Oder generell gesagt: ist das das einzig vernünftige Finanzierungskonzept?
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 01 Mar 2011, 16:20

Hawkmeister wrote:Da würde ich lieber auf eine Altersverifizierung verzichten und solche Screenshots nicht zulassen.

Hawkmeister wrote:Ganz wichtig wäre aber die Situation mit der Darstellung indizierter oder gar beschlagnahmter Spiele zu klären. Hier können wir uns rechtlich sonst schnell aufs Glatteis bewegen.

Ja, das sind gute Gedanken. Vielleicht können wir uns auf eine praktikable Lösung einigen, die wie folgt aussehen könnte:

1) Wir entwickeln unser Datenmodell so, dass eine eventuelle Altersverifikation später problemlos drangepappt werden könnte, und zwar auf Ebene des einzelnen Covers oder Screenshots, als auch auf Spielebene für schwere Fälle.

2) Die eigentliche Entwicklung der Website lässt den Jugendschutz außen vor unter der Bedingung, dass wir anstößige Inhalte vorerst ablehnen müssen, wenn das Projekt online geht.

3) Wenn der Verein gegründet und das Projekt online ist, dann erfolgt aus Vereinsmitteln eine gründliche Klärung mit einem spezialisierten Rechtsanwalt und die entsprechende Umsetzung.

Hawkmeister wrote:Schließlich wollen wir mit dem Projekt ernst genommen werden und damit verbunden auch Zugang zu Ressourcen bekommen über die wir sonst nicht verfügen könnten.

Genau, wir wollen ernstgenommen werden. Was ist das für ein peinlicher Start, wenn wir als erste Amtshandlung vor dem deutschen Jugendschutzrecht flüchten? Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir ein bekanntes Problem (deutscher Jugendschutz) viel lieber als viele unbekannte Probleme im Ausland.

Hawkmeister wrote:Das mit der Finanzierung müsstest Du als Fachmann mir noch einmal näher bringen. Was für Möglichkeiten gibt es, hier Ausgaben abzusetzen?

Wenn unser Verein als gemeinnützig anerkannt wird, wo ich derzeit kein Problem sehe, dann können wir die an den Verein gezahlten Mitgliedsbeiträge und Spenden bis zu einem Höchstbetrag von 20% unserer Einkünfte "von der Steuer absetzen". Das heißt, dass wir von diesen Vereinszuwendungen einen Betrag in Höhe unseres persönlichen Steuersatzes vom Finanzamt erstattet bekommen.

Das geht zwar grundsätzlich auch, wenn unser "Verein" im Ausland säße, aber damit habe ich erstens keine Erfahrungen und zweitens sind die steuerlichen Anforderungen und Prüfungen bei Auslandssachverhalten grundsätzlich wesentlich strenger. Wenn man also keinen wirklich vernünftigen Grund für eine Verlagerung ins Ausland hat, sollte man es lassen.

Hawkmeister wrote:Oder generell gesagt: ist das das einzig vernünftige Finanzierungskonzept?

So weit würde ich mich niemals aus dem Fenster lehnen. Aber ich sehe ständig in meiner beruflichen Praxis, was die Leute für verrückte, wirtschaftlich unsinnige Dinge tun, nur um Steuern zu sparen. So nach dem Motto: "Lieber Herr Steuerberater, wo kann ich noch sinnlos Geld ausgeben, um meine Steuerlast zu senken?" :) Warum sollten wir diesen Effekt nicht für unser Projekt nutzen?

Wenn die Gamer ihre Spenden von der Steuer absetzen können, sitzt das Geld mit Sicherheit viel, viel lockerer als wenn nicht.
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Re: Jugendschutz

Postby jojoschi » 01 Mar 2011, 17:23

Hallo zusammen,

Hawkmeister wrote:Da würde ich lieber auf eine Altersverifizierung verzichten und solche Screenshots nicht zulassen.


Und wenn wir das mal am konkreten Beispiel durchspielen?
Was sind denn "solche" Screenshots.
Beispiel: Doom. Wenn ich danach in einer Spieledatenbank suche und nur den Ladebildschirm als Screenshot finde, wäre ich persönlich schon enttäuscht.
In der Wikipedia haben sie sich damit beholfen nur Screenshots von FreeDoom zu veröffentlichen (welches nicht indiziert ist), empfinde ich aber für den Anspruch einer tatsächlichen "Spiele-Datenbank" auch nicht als Lösung.

Was spricht denn gegen ein "gemischtes" Konzept, also:
a) alle nicht registrierten User kriegen alle Spiele/Screenshots etc. in der Zeit von 23-6 Uhr zu sehen
b) alle registrierten User können sich per Personalausweis als volljährig verifizieren lassen (was natürlich auch wieder Verwaltungsaufwand bedeuten würde)

Ich habe mir mal die Preise von PostIdent angeschaut, das kostet 6,61 Euro zzgl. USt zzgl. Rücksendeporto. Also etwas überdimensioniert für uns.
Ähnliche Verfahren werden wahrscheinlich auch relativ teuer sein.

Viele Grüße,
Jojo
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Re: Jugendschutz

Postby MZ per X » 01 Mar 2011, 18:26

jojoschi wrote:Und wenn wir das mal am konkreten Beispiel durchspielen? Was sind denn "solche" Screenshots.

Alle Screenshots, die Heranwachsende in ihrer Entwicklung beeinträchtigen oder gefährden können. :) Im Falle von Doom wären das wohl alle Shots mit blutig getroffenen/zerfallenden Gegnern und herumliegenden Überresten.

jojoschi wrote:Beispiel: Doom. Wenn ich danach in einer Spieledatenbank suche und nur den Ladebildschirm als Screenshot finde, wäre ich persönlich schon enttäuscht. In der Wikipedia haben sie sich damit beholfen nur Screenshots von FreeDoom zu veröffentlichen (welches nicht indiziert ist), empfinde ich aber für den Anspruch einer tatsächlichen "Spiele-Datenbank" auch nicht als Lösung.

Sehe ich genau so, diese Lösung ist für uns nicht akzeptabel.

jojoschi wrote:Was spricht denn gegen ein "gemischtes" Konzept, also:
a) alle nicht registrierten User kriegen alle Spiele/Screenshots etc. in der Zeit von 23-6 Uhr zu sehen
b) alle registrierten User können sich per Personalausweis als volljährig verifizieren lassen (was natürlich auch wieder Verwaltungsaufwand bedeuten würde)
Ich habe mir mal die Preise von PostIdent angeschaut, das kostet 6,61 Euro zzgl. USt zzgl. Rücksendeporto. Also etwas überdimensioniert für uns.
Ähnliche Verfahren werden wahrscheinlich auch relativ teuer sein.

Ich bezweifele, dass eine simple Lösung wie "Wir lassen uns eine Personalausweiskopie zuschicken!" jugendschutzrechtlich ausreicht. PostIdent reicht aus, soviel ist sicher. Allgemein müssen wir da mit einem Rechtsanwalt reden, bevor wir Altersverifikation betreiben und beschlagnahmte Spiele in die Datenbank aufnehmen können. Und einen Rechtsanwalt werden wir uns erst als Verein leisten können.

Bei USK-18-Spielen wäre die Lösung mit der Sendezeit natürlich auch möglich, aber hier sehe ich es rein taktisch günstiger, wenn wir am Anfang ganz klar sagen: "Das Thema Jugendschutz ist in Klärung, bis dahin keine anstößigen Inhalte!". Wenn wir das Thema dann geklärt und umgesetzt haben, haben wir auch schon eine kleine Userbasis, die wir dann mit einem Announcement auf die neuen Regeln einstimmen können, anstatt sie von vornherein mit zeitlich wechselnden Inhalten zu ärgern.
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